{"id":917,"date":"2017-07-02T13:32:01","date_gmt":"2017-07-02T11:32:01","guid":{"rendered":"http:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/?page_id=917"},"modified":"2017-07-02T13:32:01","modified_gmt":"2017-07-02T11:32:01","slug":"von-den-urspruengen-des-vogelschiessens","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/von-den-urspruengen-des-vogelschiessens\/","title":{"rendered":"Von den Urspr\u00fcngen des Vogelschie\u00dfens"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.neustaedter-schuetzengilde.de\/geschichte\/images\/gesch_vogel.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"463\" align=\"right\" border=\"0\" \/>Der Schu\u00df auf den Vogel &#8211; sowohl den lebendigen als auch den auf der Stange &#8211; geht auf alte kultische Br\u00e4uche zur\u00fcck. Die historische Forschung besch\u00e4ftigt sich seit l\u00e4ngerem mit diesem in verschiedenen alten Kulturkreisen auftretenden Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>Offensichtlich galt dem Vogel, weil er dem Himmel n\u00e4her war und fliegen konnte, seit altersher eine g\u00f6ttliche Verehrung. Ihn zu bezwingen entsprach wohl einem seit Urzeiten bestehenden religi\u00f6sen Opfergedanken in der Hoffnung, dadurch der unbekannten Gottheit n\u00e4her zu kommen, eines winzigen Teils von ihr teilhaftig zu werden. In neuester Zeit hat sich Hans-Thorald Michaelis in verschiedenen Ver\u00f6ffentlichungen mit diesem Thema besch\u00e4ftigt und den Blickkreis erweitert.<\/p>\n<p>Beeindruckend sind dabei seine Schilderungen alter ritueller Gewohnheiten, wie sie in einigen abgelegenen Teilen Europas bis in die Neuzeit \u00fcblich waren: man zog an einem bestimmten Tag des Jahres, meist zum Jahresschlu\u00df, gemeinsam aus, einen Zaunk\u00f6nig einzufangen, t\u00f6tete ihn und trug ihn dann als Beute, hoch oben an einer Stange befestigt, von Haus zu Haus. Nach dieser Prozession fand man sich zum Festgelage (altnordisch = gildia) zusammen, wobei derjenige, der den Vogel als erster aufgesp\u00fcrt und get\u00f6tet hatte, als &#8222;Sch\u00fctzenk\u00f6nig&#8220; galt. Durch die Verteilung von Federn w\u00e4hrend des Umzugs erhielt jeder seinen Anteil am Opfer.<\/p>\n<hr noshade=\"noshade\" size=\"1\" width=\"300\" \/>\n<p>Die Deutung solcher Br\u00e4uche, die Auswertung antiker Belege, die Ergebnisse arch\u00e4ologischer Ausgrabungen von Kultsymbolen <strong>(Vogel auf der Stange)<\/strong> sowie die Zusammenfassung der Theorien vieler Wissenschaftler f\u00fchren zu der kaum zu widerlegenden Feststellung: der Vogelkult weist eine bunte Geschichte auf mit vielen Abwandlungen. Wetterhahn, Friedenstaube, Wappenadler geh\u00f6ren in diese Betrachtung, auch die Vorstellung, dass die Seele eines Verstorbenen als Vogel zum Himmel aufsteigt.<\/p>\n<p>Das Schie\u00dfen auf den Vogel hat bis zur Gegenwart einen langen Entwicklungsweg zur\u00fcckgelegt, im R\u00fcckblick bleiben mangels Quellen manche Strecken schwer erkennbar. Michaelis erkl\u00e4rte fehlende Nachrichten mit dem Verbot der Gilden durch die Obrigkeit im Zeitraum zwischen 800 und 1250. Dem heutigen Vogelsch\u00fctzen bleibt die Erkenntnis, dass er unbewu\u00dft uralte Handlungen beim Schu\u00df auf den Vogel auf der Stange nachvollzieht. Mit Pfeil und Bogen schie\u00dfen noch heute unsere fl\u00e4mischen Sch\u00fctzenbruder auf den mit Federn geschm\u00fcckten Vogel.<\/p>\n<p>Das Armbrustschie\u00dfen hat sich bei uns erhalten. Beim Schie\u00dfen mit dem Gewehr ist die Entwicklung der Waffe vom ersten &#8222;Feuerrohr&#8220; bis zur heutigen Vogelb\u00fcchse zu erkennen. Der gegen Ende der Kreuzz\u00fcge (von 1096 bis 1270) aufgekommene Schie\u00dfwaffengebrauch (Bogen und Armbrust) lie\u00df den Schu\u00dfwaffen auf dem Kontinent eine neue Bedeutung zukommen. Die lang anhaltenden K\u00e4mpfe zwischen Engl\u00e4ndern und Franzosen Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts in Flandern regten das B\u00fcrgertum, das in den St\u00e4dten seiner Zeit eine gro\u00dfe Selbst\u00e4ndigkeit erlangt hatte, dazu an, sich im Bogen- und Armbrustschie\u00dfen zu \u00fcben und sich hierzu der \u00fcberlieferten Gilden zu bedienen.<br \/>\nSo erkl\u00e4ren sich auch die \u00e4ltesten Gr\u00fcndungsdaten von Sch\u00fctzengesellschaften aus Nordfrankreich, Flandern und den Niederlanden, das \u00c4lteste einer St. Sebastianus-Handbogengilde in Gent von 1322.<br \/>\nAuch bei den in Deutschland im 13. und 14. Jahrhundert nachweisbaren Sch\u00fctzenvereinigungen ist wohl in den meisten F\u00e4llen anzunehmen, dass neben der laufend betriebenen Schie\u00dfausbildung das alt\u00fcberlieferte Vogelschie\u00dfen einer der H\u00f6hepunkte j\u00e4hrlichen Vergn\u00fcgens war. Aus unserer Nachbarschaft liegen aus Oldenburg und Kiel die \u00e4ltesten Erw\u00e4hnungen des Schie\u00dfens aus den Jahren 1408 und 1412 vor.<br \/>\n\u00dcberall wurde nun die Bezeichnung Papagoienschie\u00dfen \u00fcblich (auch Papagoyen, Gojen, Gogen; von Goi o. \u00e4. = Vogel). Man scho\u00df auf einen dem Papagei nachgeahmten Sch\u00fctzenvogel. Diesen Vogel scheinen die Kreuzritter im Orient kennengelernt und wegen seiner Farbenpracht gesch\u00e4tzt zu haben. Auch der silberne oder goldene K\u00f6nigsvogel, den der jeweilige K\u00f6nig trug, hatte diesen Namen. Er begegnet uns in der \u00e4ltesten in Neustadt erhaltenen Notiz von 1633, in der es hei\u00dft: &#8222;Der letzte K\u00f6nig, Michael Sch\u00fctte, soll den Papagoien bis zum n\u00e4chsten Fastelabend wieder beschaffen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schu\u00df auf den Vogel &#8211; sowohl den lebendigen als auch den auf der Stange &#8211; geht auf alte kultische Br\u00e4uche zur\u00fcck. Die historische Forschung besch\u00e4ftigt sich seit l\u00e4ngerem mit diesem in verschiedenen alten Kulturkreisen auftretenden Ph\u00e4nomen. Offensichtlich galt dem <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/von-den-urspruengen-des-vogelschiessens\/\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-917","page","type-page","status-publish","hentry"],"rttpg_featured_image_url":null,"rttpg_author":{"display_name":"Hartmut von Halle","author_link":"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/author\/hvh\/"},"rttpg_comment":0,"rttpg_category":null,"rttpg_excerpt":"Der Schu\u00df auf den Vogel &#8211; sowohl den lebendigen als auch den auf der Stange &#8211; geht auf alte kultische Br\u00e4uche zur\u00fcck. Die historische Forschung besch\u00e4ftigt sich seit l\u00e4ngerem mit diesem in verschiedenen alten Kulturkreisen auftretenden Ph\u00e4nomen. Offensichtlich galt dem weiterlesen...","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/917","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=917"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/917\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":918,"href":"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/917\/revisions\/918"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neustaedter-schuetzengilde.de\/schuetzengilde_r\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=917"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}